Neubau Hofgartencafé Innsbruck
Zeitraum: 2022
Ort: Innsbruck
Programm: Gastronomie (Caféhaus) / Freiraum
Grösse: 990m2 BGF (Gebäude) 310m2 (Freiraum)
Auftragsart: EU-weit offener, anonymer, einstufiger Realisierungswettbewerb
Auftraggeber: Burghauptmannschaft Österreich
Preis: 2. Runde
Architektur: Stefan Jos Architektur / Gonçalves Vieira – Cruz
Team: Stefan Jos (Leitung), José Maria Gonçalves Vieira, Tomás Cruz, Damião de Franco, Matilde Frada Almeida
Visualisierung: ─
Modellbau: Steck Modellarchitektur
Fachplaner: studio boden (Landschaftsarchitektur), merz kley partner AG (Statik), gastro total Austria GmbH (Küchenplaner)
Mitten im Stadtkern gelegen, ist das Kaffeehaus im Hofgarten ein Ort, der auffallend stark mit der umgebenden Natur interagiert. Wäre hier nicht ein so reges Treiben zu beobachten, könnte man sich glatt in die Hängenden Gärten träumen. Während sich der Besucher in Vorfreude auf einen kräftigen Espresso um Blickkontakt mit dem Herrn Ober bemüht, öffnen sich die gläsernen Wände. Die Sonne steht tief, noch goldiger ist das Licht nun, das auf die von der Decke baumelnden Pflanzen fällt, das den ganzen Raum zum Strahlen bringt. Alles verbindet sich zu einem, Innen und Außen sind eins. Zu guter Letzt Noch schnell auf den Dachgarten – den Baumkronen so nah.
Das „neue Kaffeehaus“ fügt sich harmonisch in den denkmalgeschützten Hofgarten Innsbruck ein. Bestehende Formen des Wegenetzes, der Grüninseln und Wasserflächen werden aufgenommen und architektonisch sowie landschaftlich zum Ausdruck gebracht.
So tritt das neue Gebäude als leicht organisches (bestehendes Wegenetz), horizontales offenes Dach städtebaulich in Erscheinung. Ein rationaler von der Dachkante zurückversetzter Bereich, welcher sich an dem Wurzelwerk der benachbarten Bäume orientiert, bildet den konditionierten inneren Teil des Gebäudes (Gastraum, Bar, Küche etc.).
Im Osten führt ein Teil des Daches präzise durch die bestehende, denkmalgeschützte Maueröffnung (Eingang Ost) und bildet somit eine Klammer Zukünftige Hochschule (MCI) Kaffeehaus und Hofgarten.
Wege und Pflanzen (Bäume, Büsche, Gräser, Hängepflanzen etc.) führen unter und um das Dach des „neuen Kaffeehauses“ herum. Die Bereiche Außen - Innen sowie Naturraum - Gebäude verschmelzen, die üblichen Grenzen (Schwellen) verschwimmen.
Zusätzlich wird dies durch unterschiedlich große Perforationen (Öffnungen) im Dach verstärkt. Die Perforationen ermöglichen Ein und Ausblicke in alle Himmelsrichtungen, sowie das Hindurchfallen von Licht, Schnee und Regentropfen sowie das Hindurchwachsen von unterschiedlichsten Pflanzen wie zum Beispiel Hängepflanzen vom Dach.
Die Oberfläche des Daches ist begrünt und kann öffentlich begangen werden (vertikale Erweiterung des Gartens). Somit wird der Öffentlichkeit keine kostbare Grünfläche weggenommen, im Gegenteil wird dieser eine erhöhte und attraktive Grünfläche zurückgegeben. Der erhöhte Gartenbereich schafft einerseits eine beruhigtere Fläche zum Entspannen in der Nähe von Ästern und Blättern der Bäume und andererseits ermöglicht er eine erweiterte Lesart des Hofgartens und dessen Umgebung, welche alle Landschaftsmaßstäbe berücksichtigt. So können die Berge, das flache Tal von Innsbruck, der Hofgarten mit seinen Elementen (Wege, Pflanzen, Umfassungsmauer etc.), das Kulturquartier Innsbruck, die Universität und die zukünftige Hochschule neu gelesen werden.
Somit ist das „neue Kaffeehaus“ einerseits eine harmonische Erweiterung des Hofgartens und nimmt den „Spirit of Place“ auf, und ist anderseits ein selbstverständliches Verbindungselement (Tor) zwischen dem Kulturquartier Innsbrucks (Altstadt), Universität (SOWI) und zukünftiger Hochschule (MCI) im Osten. Das „neue Kaffeehaus“ wird zu einem wichtigen historischen und soziokulturellen Ort in der Stadt Innsbruck.